
Mit viel Humor und Heimatliebe hat Richard Loibl, Leiter des Bayerischen Hauses der Geschichte, im Waldmuseum in Zwiesel im Landkreis Regen über die Kulturgeschichte des Bayerischen Waldes aus Ansichtskarten referiert.
Seit der Landesausstellung „Bayern-Böhmen – 1500 Jahre Nachbarschaft““ im Jahr 2007 im Waldmuseum in Zwiesel ist Richard Loibl in der Region kein Unbekannter mehr. Am Mittwochabend stellte der Historiker und Museumsdirektor des Hauses der Bayerischen Geschichte im Waldmuseum sein neuestes Werk „Grüße aus dem wilden Osten – Kulturgeschichte des Bayerischen Waldes auf Ansichtskarten“ vor, erschienen im Pustet Verlag.
Annähernd 200 Zuhörer erstürmten in Vorfreude auf den Vortrag regelrecht den Großen Saal des Waldmuseums. Lang war die Warteschlange der Leute, die sich sein Buch signieren lassen wollten. Der Vorsitzende der Waldverein-Sektion Zwiesel Reinhard Wölfl freute sich bei seiner Begrüßung über das überaus große Interesse und erklärte, dass Roland Pongratz, musikalische Leiter der Volksmusikakademie Freyung, die Anregung für die Buchvorstellung in Zwiesel gegeben hatte.
Über 10.000 Ansichtskarten gekauft

Loibl verriet, warum er als Museumsdirektor auf die Idee gekommen ist, für das Haus der Bayerischen Geschichte 10.000 im angebotene historische Ansichtskarten aus dem Bayerischen Wald zu kaufen. Er hatte festgestellt, dass sich im Nachlass seines Vaters viele ergänzende Postkarten befanden, die die Geschichte von Niederbayern perfekt abrundeten, erzählte er. Die Schlüsselkarte für seine Entscheidung sei eine Ansichtskarte aus seiner Heimatstadt Hengersberg von 1945 gewesen, Diese war mit den Worten „Konditorei-Kaffee-Müller“ beschriftet. Dort hatte er als Bub eingekauft und die Verkäuferinnen namens Müller wurden, im Gegensatz zu den damaligen „Weibern“, als „Damen“ bezeichnet.
Humor und Heimatliebe waren der rote Faden von Richard Loibl, als er mit einem Bildervortrag sein beachtliches Werk vorstellte. Neben der bayerisch-böhmischen Grenzgeschichte allgemein und dem Wirtschaftsboom um 1900 im Bayerischen Wald waren seine Themen unter anderem der Eisenbahnbau 1877, der durch Initiator Freiherr von Poschinger aus Frauenau Wohlstand in die Region brachte.
Der Bahnhof in Eisenstein versinnbildlichte ausdrucksstark die Zusammengehörigkeit von Bayern und Böhmen. Dieser sei – im Gegensatz zu den heutigen Bauten – eher fertig geworden und hatte weniger gekostet als ursprünglich geplant, feixte Loibl. Prinz Otto, der in Ludwigsthal einen Genesungsurlaub machte, war ebenfalls Thema, genau wie das Wirtshaus auf der Rusel mit dem Sanatorium am Hausstein, das schon früh Feriengäste aus den Städten in den Bayerischen Wald brachte. Interessantes erzählte er auch über Bodenmais, Regen und Zwiesel. Dabei „fütterte“ er seine überaus interessierten Zuhörer mit selbst Einheimischen bisher unbekannten Zusatzinformationen.
Aufräumen mit Bayerwald-Klischees
Er räumte auf mit dem Klischee, dass der Bayerische Wald rückständig war oder vielleicht weiterhin sei, wie es auch heute noch immer gerne „von bestimmten Leuten“ gesagt werde. Dabei nahm er kein Blatt vor den Mund und ließ seinen Gefühlen freien Lauf, was oft für Heiterkeit sorgte.
Kurze Video-Aufnahmen ließen zudem den Heimatschriftsteller Max Peinkofer, einen engen Freund seiner Familie, auferstehen oder Elfie Pertramer mit den „Arbermandeln“ im BR.
Texte im lockeren Ton eines Einheimischen
Loibl gab auch Einblicke in die „schreckliche Kriegszeit“, erzählte über den Werdegang des Nationalparks und untermauerte seine Ausführungen mit herrlichen Schachtenfotos. Nimmt der Leser Loibls Werk in die Hand, wird er erfreut feststellen, dass er nicht mit schwer zu lesenden Texten eines Historikers überfordert wird, sondern im lockeren, humorvollen Ton eines Einheimischen durch „den Woid“ geführt wird.
Das Buch „Grüße aus dem Wilden Osten – Kulturgeschichte des Bayerischen Waldes auf Ansichtskarten“ umfasst über 300 Seiten. Denn: So interessant alle darin aufgegriffenen Themen auch sind, eine Erwähnung aller Motive würde den Rahmen des Artikels sprengen. Der Chef des Hauses der Bayerischen Geschichte nahm zudem die Gelegenheit wahr, für die aktuelle Bayerische Landesausstellung „Musik in Bayern“ zu werben, die noch bis 8. November in Freyung zu sehen ist.
Langanhaltender Beifall belohnte den Autor und Historiker Richard Loibl am Ende für seinen mitreißenden Vortrag. Vom Vorsitzenden der Waldverein-Sektion Zwiesel Reinhard Wölfl erhielt er für seine Mühe eine süße Aufmerksamkeit.
Quelle: PNP 26.04.2026 von Marita Haller
