Bei herrlichem Frühlingswetter hat am Ostermontag der traditionelle Emmausgang zur Theresienthaler Glasmacherkapelle stattgefunden. Über 130 Frauen und Männer waren bei diesem Glaubensmarsch dabei, der im Jahr 2002 wiederbelebt worden ist.
Der Verein zur Erhaltung der Glasmacherkapelle hat es sich auf die Fahnen geschrieben, diesen schönen Brauch aufrecht zu erhalten, der insbesondere auch ein Bittgang zum Erhalt des Glasmacherberufes und der Glasbetriebe ist. Traditionell bieten Christl Bachhuber und ihre Helferinnen und Helfer beim Emmausgang speziell angefertigte Glasobjekte an, die an der Glasmacherkapelle gesegnet werden. Heuer gab es ein ausgefallenes Glas-Ei als Sammlerstück zu erwerben, das reißenden Absatz fand.
Bevor der Marsch am Leitl-Parkplatz startete, wurden die Teilnehmer mit frühlingshaften Melodien durch Rita Dorner und Hans Artmann eingestimmt; die beiden sorgten dann auch für die musikalische Umrahmung an den einzelnen Stationen. Christl Bachhuber hieß neben dem Musik-Duo besonders 2. Bürgermeisterin Elisabeth Pfeffer, Diakon Walter Kraus und Pater Binoy willkommen.
„Das Wichtigste: Wir gehen zusammen“
„Die Welt ist aus den Fugen geraten, und wir alle befinden uns in einer Art Weltschmerz, den man nicht
mit einer Arznei kurieren kann“, sagte Bachhuber. Sie forderte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf, für die Zeit des Emmausganges das schlimme Weltgeschehen auszublenden, über schönere Dinge zu reden und der Musik und den Worten von Diakon Walter Kraus zu lauschen, der dann ebenfalls die Emmausgeher begrüßte.
Die Fahnenträger Josef Herzog und Wolfgang Kuchler führten abwechselnd mit Andrea Herzog den Zug an, letztere trug ein schön geschmücktes Glas-Ei. Bei der ersten Station stimmte Diakon Kraus auf die Wegstrecke ein. Wie einst die Jünger sei man hier gemeinsam unterwegs, betonte er. „Wir gehen, so hoffe ich, zusammen in die gleiche Richtung, auf das gleiche Ziel hin“, sagte Kraus und ergänzte: „Auch wir haben Fragen, es ist nicht immer alles klar, so manches ist gar im Nebel. Aber das Wichtige ist: Wir gehen zusammen.“
An der zweiten Station ging der Diakon auf das Ei als christliches Attribut des Osterfestes ein, als Sinnbild von Fruchtbarkeit, Auferstehung und ewigem Leben. Und er spannte dabei den Bogen zum mitgetragenen Glas-Ei und der Hoffnung, dass die Glasbetriebe erhalten bleiben. Dann kam er auf die Faszination und die unglaubliche Vielseitigkeit dieses Werkstoffs zu sprechen. „Bitten und beten wir dafür, dass die Arbeit mit Glas in unserer Region noch lange möglich ist“, so Kraus.
An der dritten Station, der Glasmacherkapelle, wurden die Bittgänger mit Glockengeläut begrüßt. Auch hier fand Walter Kraus die passenden Worte zum Emmausgang. Er las aus dem Evangelium vor, in dem sich zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus befanden und Jesus sich zu ihnen gesellte, sie ihn aber nicht erkannten. Sie erzählten ihm von der Leidensgeschichte Jesu und dass sein Leichnam aus dem Grabe verschwunden sei. Doch beim gemeinsamen Abendmahl erkannten sie ihn schließlich und kehrten, nachdem er ihren Blicken entschwunden war, nach Jerusalem zurück, wo sie von den anderen Jüngern die Bestätigung der Auferstehung erhielten.
Fürbitten für Kriegsopfer und den Erhalt der Glasbetriebe
Die Fürbitten waren für die Opfer von Krieg, Terror und Verfolgung, für die Einsicht der Machthaber, den Frieden anzustreben, aber auch für den Erhalt des Glasmacherhandwerks. Mit dem gemeinsamen Vaterunser, dem Segen für die Teilnehmer sowie herzlichen Dankesworten an Familie Bachhuber beendete Diakon Walter Kraus den Emmausgang.
Dankesworte fand anschließend auch 2. Bürgermeisterin Elisabeth Pfeffer für die Familie Bachhuber, die alljährlich mit so viel Engagement dafür sorge, dass dieser Marsch immer wieder zu einem besonderen Bittgang werde und auf so großes Interesse stoße. Auch Christl Bachhuber dankte den Bittgängerinnen und -gängern für ihre Teilnahme, aber auch allen Helferinnen und Helfern sowie den Musikern und Diakon Kraus. Ihm überreichte sie ein kleines Präsent.
Osterwitze von Kraus und Pater Binoy sorgten für viel Gelächter, danach verabschiedeten die Musikanten die Teilnehmer mit dem Stück „Wisst’s wo mei Hoamat is“. Auf dem Rückweg machten viele noch Halt im Naturfreundehaus, wo man den Emmausgang bei Kaffee und Kuchen ausklingen ließ.
von Marianne Hirschbold (Quelle: PNP, 07.04.2026); Fotos von Reinhard Wölfl

